Weihnachtsmarke 2025: Präsentation des Sonderpostwertzeichens

Eva-Maria Welskop-Deffaa und Björn Böhning, Staatssekretär BMF.
Foto: Jörg Farys / farys@dieprojektoren.de

Die Vizepräsidentin der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. (BAGFW) Eva Maria Welskop-Deffaa begrüßte im Klara-Ullrich-Haus in Berlin Vertreter aus den Wohlfahrtsverbänden, den Kirchen, der Politik und der Philatelie zur Vorstellung der diesjährigen Weihnachtsmarke. In einem kurzen Rückblick über die Geschichte der „Plusmarken“ erinnerte sie an besondere Aktionen und Kooperationen, die durch die daraus erzielten Erlöse einen wertvollen Beitrag für die Arbeit der Wohlfahrtsverbände erbrachten.

Auch Björn Böhning, Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen, betonte wie seine Vorgänger die Verbundenheit seines Hauses mit den Weihnachtsmarken, die seit 1969 die soziale Arbeit der Verbände unterstützen, die damit eine tragende Säule des Sozialstaates sind. In Anerkennung dieser Leistung danke er allen Unterstützern dieser Sonderpostwertzeichen und überreichte Alben mit den Erstdrucken der Marken. Ganz persönlich äußerte er die Hoffnung, dass zahlreiche dieser Marken den Weg auf die Weihnachtspost finden und damit nicht nur den Empfängern eine Freude machen, sondern gleichzeitig „Gutes tun. Mit Briefmarken helfen.“

Quelle: Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege e. V. – wohlfahrtsmarken.de

Grußwort und Ansprache von Eva M. Welskop-Deffaa bei der Präsentation des Sonderpostwertzeichens „Weihnachten 2025 – Im Kirchenfenster“ im Klara-Ullrich-Haus in Berlin, am 18.11.2025

Liebe Gäste,

ganz herzlich begrüße ich Sie – hier im Klara-Ullrich-Haus, der Geschäftsstelle des  Deutschen Caritasverbandes in Berlin – heute als Vizepräsidentin der BAGFW  ebenso wie als Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Ich begrüße Sie mit  besonders großer Freude zu einem besonders schönen Ereignis, das Jahr für Jahr  im November der frohen Erwartung auf Weihnachten einen heftigen Stups gibt.

Ganz ausdrücklich möchte ich Sie Exzellenz, sehr verehrter Nuntius Eterovic und Sie, sehr geehrter Herr Staatssekretär Böhning begrüßen und danke Ihnen, lieber Prälat Jüsten und Ihnen, liebe Frau Schneyer  für die gute Zusammenarbeit bei der Vorbereitung der heutigen  Wohlfahrtsmarkenpräsentation.

Sehr gerne überbringe ich die herzlichen Grüße des Präsidenten der  Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) Achim Meyer von  der Heyde, den ich heute vertreten darf.

Wohlfahrtsmarken – was ist das? Bei den Passanten vor dem Haus hier in der  Reinhardtstraße in Berlin bin ich mir nicht sicher, wie viele die richtige Antwort geben  könnten. Für den Kreis derer, die hier versammelt sind, namentlich für die  Philatelisten unter uns, ist die Antwort dagegen einfach: Wohlfahrtsmarken sind eine  spezielle Art Zuschlagsmarke, die seit dem Jahr 1949 in Deutschland erscheint.  Neben dem reinen Portobetrag wird ein Zuschlag erhoben, der den  Wohlfahrtsverbänden zur Verfügung steht – für „wohltätige Zwecke“.

Es war der damalige Generalsekretär des Deutschen Caritasverbandes, der die  politisch Verantwortlichen in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg für diese Idee  begeistern konnte – als eine Form alltäglicher Solidarität in einer Zeit, in der für viele  Menschen schon die Regelportobeträge keine „Peanuts“ waren.

Aber Kuno Jaeger glaubte an seine Idee, genauer: er glaubte an die Bereitschaft der  Menschen, in einigen ausgewählten Wochen des Jahres immer da, wo sie  miteinander über Briefe und Karten in Verbindung traten, auch ganz bewusst die  Notleidenden und Bedürftigen mitzudenken.

Die erste Marke war kein Erfolg… – aber Jaegers Beharrlichkeit zahlte sich aus.  1956 übernahm der Bundespräsident die Schirmherrschaft über die  Wohlfahrtsmarken – wir freuen uns, dass das bis heute so geblieben ist – und 1964  fand man mit dem ZDF und der von Peter Frankenfeld initiierten Spielshow  Vergissmeinnicht einen starken Partner: Zusätzlich zum Regelporto musste ein  ganzer Satz (!) Wohlfahrtsmarken auf die Postkarte geklebt werden, um am  Glücksspiel teilzunehmen.

Ich erzähle diese Insidern gut bekannten Geschichten heute noch einmal, weil mit  ihnen deutlich wird: Wohlfahrtsmarken brauchen alle paar Jahre neue Impulse und  Partner, damit sie das bleiben, was sie sind – kleine Wunderwerke der Nächstenliebe  mit Zacken.

Wer mit Briefmarken helfen will, sollte Anlass haben, Briefmarken zu kaufen – im  nächstliegenden Fall, um sie als Porto für Briefe zu nutzen.

Wir sind dankbar, dass Staatssekretär Jörg Kukies in einem letzten Gespräch der  BAGFW mit dem Finanzministerium eine Arbeitsgruppe angeregt hat, um  gemeinsam neue innovativen Ideen für die Zukunft zu entwickeln, – Ideen, die es als  Turbo für die Wohlfahrtsmarken regelmäßig braucht, und wir freuen uns sehr, wenn  sie im nächsten Jahr erstmals zusammenkommt.

Seit 1969 – auch das eine der herausragenden Innovationen aus der  Wohlfahrtsmarkengeschichte – gibt es zusätzlich zur „Sommermarke“ die  Weihnachtswohlfahrtsmarke.

Statt „Helfern der Menschheit“, die anfangs auf den Wohlfahrtsmarken zu sehen  waren – Persönlichkeiten, die sich für das allgemeine Wohl besonders eingesetzt  hatten und als Vorbilder und Anstifter zum Gutes-tun gelten konnten – waren auf den  Weihnachtsmarken die Motive zu sehen, die wir alle mit Weihnachten verbinden: Stern und Engel, Krippe und Könige. Immer wieder auch als Ausschnitt aus Kirchenfenstern.

Besonders gern erinnere ich mich an die Weihnachtsmarke von 2018 – ein  Ausschnitt eines Kirchenfensters von Marc Chagall aus der Mainzer Stephanskirche. Dort haben wir vor wenigen Wochen bei unserer Delegiertenversammlung 2025 am  letzten Versammlungstag Gottesdienst gefeiert, und ich nutzte die Chance, die blau goldene Maria mit dem herannahenden blauen Engel im Original zu bewundern.

2025 ist es nun wieder ein Kirchenfenster, wie auch 2020. Und zum ersten Mal seit  2020 ist es wieder eine eher klassische Darstellung der Heiligen Familie: Maria und  Josef, der Ochse und der Esel und in der Mitte das Christuskind. Sogar für das Dach  des Stalls ist auf der kleinen Marke noch Platz. Es beschirmt die Menschen, die sich  unter ihm versammeln.

Ins Auge stechen bei dem aus der Regensburger Nicolaus-Gallus-Kapelle  stammenden Motiv der neuen Marke aber zuallererst die Sterne – der Stall öffnet  sich auf einen Himmel, der strahlend blau den Mittelraum der Briefmarke ausfüllt.  Wie verzaubert wird der Blick vom Elend des Stalls auf die Schönheit des Himmels  gelenkt.

Zauberhaft ist die Weihnachtsbotschaft im Format 3 x 4 cm eingefangen: Wo  Menschen (wie Maria und Josef) einander in Liebe begegnen, wo sie gemeinsam  Verantwortung übernehmen für ihnen anvertrautes Leben, da sind Wunder möglich.  Da kann sich im Hier und Heute wiederholen, was mit der Geburt des Christuskindes  vor 2025 Jahren in Bethlehem geschah:

„Liebe überwindet alle Schranken, bringt Fernstehende einander nahe, verbindet  Fremde, macht Feinde zu Vertrauten, überwindet menschlich unüberwindbare  Abgründe und gelangt in die verborgensten Winkel der Gesellschaft. Die christliche  Liebe ist ihrem Wesen nach prophetisch, sie vollbringt Wunder, sie kennt keine  Grenzen. Sie ist für das Unmögliche da.“ – Diese Sätze aus dem erst vor wenigen  Wochen veröffentlichten ersten apostolischen Schreiben „Dilexi Te“ von Papst Leo  XIV passen ganz wunderbar zur Mission der Weihnachtsbriefmarke 2025.

Ich wünsche mir, dass viele Briefe in diesen Wochen mit der Marke versandt werden.  Weil jeder Zuschlag hilft, aber auch, weil diese Botschaft so dringend gehört werden  muss in einer Zeit, in der es offenkundig schwerfällt, Brücken zu bauen. In der das  Miteinander und Füreinander der Generationen – in der Familie und in der Politik – so unerlässlich ist, um die Zukunft zu gewinnen.

Es darf die Frage, ob wir eine enkelfähige, eine solidarische Politik gestalten, nicht  allein am Rentenniveau von 2030 entschieden werden. Wir brauchen auch eine  zukunftsfähige Finanzierung der sozialen Infrastruktur (für Familien und Kinder). Da heute das Finanzministerium hochrangig vertreten ist, gestatten Sie mir diesen  Satz: Für das Sondervermögen und den regulären Bundeshaushalt sollte es der  Politik selbstverständlich sein, Strukturen der Wohlfahrtspflege so zu stützen, dass  die Anforderungen an Krisenresilienz, die unsere Zeit an uns richtet, in gemeinsamer  Verantwortung bewältigt werden können.

Christliche Liebe ist für das Unmögliche da, wir Wohlfahrtsverbände tun das  Mögliche gerne dazu, wenn man uns dabei weiter hilft.

Foto: Jörg Farys / farys@dieprojektoren.de